Hallo liebe Anna,
Ostern ist schon wieder länger vorbei, Pfingsten ebenso, und naja, die Geschwindigkeit in den Veränderungen und Ereignissen, dem Tun und dem bewussten und präsenten Leben, hat seither nicht abgenommen. Ich wüsste jetzt auf Anhieb gar nicht, wo ich da anfangen könnte, mit Berichten und Erzählungen, weil ich dazwischen auch nicht wirklich zum Reflektieren, geschweige denn Schreiben gekommen bin. Mit der Zaunbaufirma gab es und gibt es fortlaufend zu tun, und allein das, was hier nur in den letzten Wochen passiert ist, gibt Stoff für einen ganzen Krimi oder sogar mehrere Bücher. Die Bandbreite an gefühlten Emotionen lässt sich kaum beschreiben oder jemandem erklärlich machen.
Confidence
Gewissheit, Vertrauen, Zuversicht
„Confidence“ – ein Wort, welches Nicole eines morgens ausgesprochen hat, weil das plötzlich da war. Mein erster Gedanke in der Übersetzung war „Gewissheit“. Habe es dann auch gegoogelt: Das Vertrauen, die Zuversicht, die Sicherheit, das Zutrauen. Ja, eh. Wenn der Gefühlszustand wechselt vom „alles loslassen erlauben“ zu „jetzt erst recht für etwas kämpfen (aber wofür)“. Fragen gestellt werden, die zur Beantwortung auch Zeit brauchen, aber keine Zeit da ist. Zum Beispiel, eine ganz entscheidende Frage. Will ich weiterhin Zäune bauen? Und das Insolvenzverfahren mittels Sanierung zu Ende bringen, und mich diesem Thema widmen, was absolut spannende, auch entspannende Aufgaben bereit hält. Nachdem von 15 Arbeitern schon 13 gekündigt haben, weil der Masseverwalter vieles macht, was ich anders machen würde und damit Unsicherheiten prolongiert. Wofür das dann gut sein wird, mag ich heute nicht endgültig beurteilen, ärgerlich in der Situation ist es allemal, und andererseits schafft es wieder Räume für Neues; aber will ich das auch wirklich? Mir wurde in den letzten Tagen und Wochen immer wieder bestätigt, dass Gutmütigkeit ausgenutzt wird; Zuckerbrot und Peitsche ist „die“ Wirk-Kombination. Wer nicht spurt, bekommt eine über die Rübe, wer brav ist, das Zuckerbrot, aber nicht zu viel davon. Das macht fett und träge. Nicht schneller und besser. Bei gleichen Kosten fürs Unternehmen. Muss ich die Leute hin und wieder zurechtstutzen, anschreien, um ihren Respekt zu erhalten? Und bin ich das, oder anders gefragt, soll ich mich zum Arschloch entwickeln, damit meine Firma erfolgreich sein kann?
Mein gedanklicher Zwischenstand: Nein, muss und werde ich nicht. Es gibt wohl auch einen Weg dazwischen, nämlich strikter zu sein, schwierige Themen und Gespräche nicht zu lange aufzuschieben, schneller auch Entscheidungen zu treffen, klarer zu sein. Und zugegeben, in den ersten 50 Lebensjahren war ich meinem Sternzeichen, dem Stier näher. Es brauchte sehr, sehr lange, mich zu reizen, mich zu bewegen. Wenn das aber mal jemand geschafft hat, so wie die Kollegen mit der erschlichenen RWR-Karte, dann bleibt keine Mauer stehen, da gehe ich durch. Dann wird die Krankenkasse plötzlich zum Verbündeten, wobei das wär jetzt übertrieben, aber sagen wir mal „nützliche Gehilfin“ dazu, klare Sachverhaltsdarstellungen als Mittel zum Zweck und Fremdenpolizei und Finanzpolizei zum ausführenden Organ. Volles Programm. Nicht wegen einer kleinen Übertretung, Unstimmigkeit oder verletztem Ego, nein. Eher der notwendigen Gerechtigkeit wegen. Nicht aus Rache, weil sie jetzt für meinen bisher größten Kunden arbeiten, sondern um dem Unternehmen aufzuzeigen, dass das eben nicht in Ordnung war.
Ich schweife ein wenig ab.
Nachdem ich vor kurzem ins zweite Drittel meines Lebens gestartet bin, mein Cousin Reinhard gleiches heute feiert, stelle ich mir schon des öfteren die Frage, die sich zuletzt immer wieder aufgetan hat, die Frage nach dem „Wofür“; wofür möchte ich meine Lebenszeit einsetzen, was möchte ich noch lernen, wenngleich die Intensität zurzeit schon kaum auszuhalten ist. Wobei das Wofür zuletzt schon eine Antwort gefunden hat.
„Don’t stop believing“ von Journey läuft übrigens gerade auf Spotify (und nun auch in der Playlist zum Buch).
Woran glauben, was glauben? An das Gute, an die Veränderungen, die wir tatsächlich imstande sind, zu schaffen. Mit unserem Geist.
Das Gesetz der Anziehung und so. Ja, eh. Ich zeige immer wieder Menschen, wie das geht und tatsächlich berichten sie dann auch. Zuletzt wieder. Jemand, der das Gesetz schon kannte, und schönes Wetter für eine Laufveranstaltung bestellen wollte. Habe erwähnt, dass passendes Wetter wohl besser wäre. Es war dann bewölkt, mit teilweise leichtem Nieselregen, aber, so musste sie zugeben, war es besser als in der Hitze zu schmoren, bei Sonnenschein.
Für einen selbst ist das dann aber immer wieder auch eine tägliche Herausforderung, insbesondere im Wissen um erforderliche klare und präzise Formulierung von Wünschen. Um nachteilige oder unerwünschte Nebeneffekte, im weitesten Sinne auch entstehendes Karma zu berücksichtigen. Das Gleichgewicht einerseits, die Fülle andererseits nicht zu missbrauchen, für sich, fürs Ego. Aber auch für sich selbst da zu sein. Selbstliebe und so. Und so darf ich wohl noch das eine oder andere Mal meine Gedanken organisieren, fokussieren, Wünsche und Ziele formulieren; wobei ein formuliertes Ziel für heuer ist die Reise zu mir, meinem Selbst. Erkenntnisgewinne und Verständnis. Wenn es denn auch unbequem ist.
So auch das Empfinden, in der letzten Zeit vielleicht doch eine gewisse Metarmorphose durchlaufen zu sein, vom konsequenten, sturen Arbeit“stier“ gleich dem Sternzeichen, zum wachsamen, aufmerksamen, auch reizbaren und kampfeslustigen Tiger. Jeder Blick aufs Handy auch ein Blick in den Spiegel, eine stete Erinnerung und zugleich Visualisierung eines Zielbildes, als Wegweiser auf der Reise zu sich selbst? Ach, und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Danke, liebe Anna. Auch als Reminder an dich, wie bedeutsam deine Werke sind, die du schon geschaffen hast und ganz sicher noch erschaffen wirst :-).
Nun, wieder so viele Themen, und noch gar nicht mal die Frage, wie es dir so geht. Wobei diese Frage einerseits die Höflichkeit gebietet, aber oder und, um sie ehrlich zu beantworten, die Zeilen hier wohl nicht reichen würden, so wie ich das schon öfters erfahren, und gefühlt habe. Mit dem gerade auf Spotify gehörten Song, wenn er denn als Antwort auf diese Frage zu verstehen gewesen ist, tun sich erneut Gedankenwelten auf. Welten, Bilder, die ich zwar sehe, mir aber schwer tue, sie als Antwort zu sehen, ja anzuerkennen. So wie einem der Blick in den Spiegel, „the man in the glass“, auch Antworten gibt, die man gar nicht hören möchte, oder eher verneint, weil das Leben ohnehin schon mehr Herausforderungen bereithält, als man sich vorstellen kann, diesen gewachsen zu sein. Oder darf und soll man nicht träumen, träumen dürfen? Und was sind die Schritte, die unternommen werden, um diese Träume als Visionen auch in die Tat umzusetzen, oder zumindest einmal den Boden dafür zu schaffen? Nun, die zu stellende Frage war ja, wie geht es dir? Wenn ich sie aus meiner Präsenz beantworten würde müssen, dann würde ich es so formulieren: Die üblicherweise erwartete Höflichkeits-Floskel wäre „gut, und dir?“. Oder linear beschreibend von „sehr gut“ bis „naja, ging schon mal besser“, weil „schlecht“ irgendwie im Wortschatz fehlt, was im Grunde aber trotzdem eine recht eindimensionale Einordnung ist. Tatsächlich müsste ich eigentlich antworten: Stell dir die verschiedenen möglichen Emotionen jeweils auf einer Skala von +10 bis -10, als Bandbreite sozusagen, und das in mehreren Dimensionen gleichzeitig, vereinfacht vielleicht nur als 3D Modell versus der Gut-/Schlecht-Linie. Und dann, wie sämtliche dieser Emotionen binnen zeitgleich oder in kurzem Zeitabstand, fast im Stakkato ablaufen, und sich bemerkbar machen. Crazy. Und nun, versuch das mal in eine Small-Talk-Antwort zu gießen.
Du meintest vor kurzem noch, dass du vielleicht bald mal wieder in Österreich bist? Wie sind hier deine Pläne, wenn ich das so fragen darf? Nach dem Überfall der Eisheiligen noch vor ein paar Tagen haben wir ja wieder richtiges Sommerwetter, mit Temperaturen über 30° und so, und das soll in den kommenden Tagen auch so bleiben. Würde mich jedenfalls sehr freuen, dich bald wiederzusehen, und dir zuzuhören, von deinen Erfahrungen zu lernen.
Und so wünsche ich dir noch einen angenehmen Feiertag, viel Schaffensfreude, Zuversicht und Vertrauen, Confidence!
Besonders liebe Grüße aus Österreich, und bis bald oder demnächst, liebe Anna!

